Upgrade zum Weiterbildungscurriculum Kind, Jugend und Familienpsychologie

Upgrade Weiterbildungscurriculum Kind-, Jugend- und Familienpsychologie

Persönlichkeitsdiagnostik

Besonders wird hier wiederum darauf geachtet, Diagnostik als Prozess zu sehen. Ausgehend von einem systemischen Modell der Störungsgenese, wird die Frage nach dem Wert von Diagnosen nach Klassifikationsschemata (ICD 10, DSM 5) für den sozial-emotionalen Bereich, den Persönlichkeitsbereich und den Bereich möglicher Psychotischer Störungen im Besonderen abgehandelt. Bei der Auswahl der Diagnoseverfahren werden auch Stärkenbasierte Verfahren (z.B. VIA-IS YOUTH, vergl. Ruch et al., 2010; Seligman & Peterson, 2004; Seligman, 2012) neben anderen wissenschaftlich evaluierten Verfahren vorgestellt, das sind unter anderem auch Verfahren zur Erfassung von Persönlichkeits(entwicklungs)störungen, und juvenilen Psychosen.
Der Hauptfokus dieses Moduls liegt wiederum darauf, dass die TeilnehmerInnen einen Guide bekommen, wie sie sich in diesem dynamisch, sich laufend weiterentwickelndem Gebiet selbstständig orientieren und weiterentwickeln können.
Ein Überblick über geplante Neuerungen im ICD 11 wird gegeben.

Spezifika der Klinisch-Psychologischen Behandlung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien

Die Behandlung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familiensystemen braucht die Fertigkeit eben diesen zu begegnen, mit ihnen in Resonanz zu kommen und sie nicht als Objekt der Veränderung zu betrachten. Dies ist entscheidende Grundvoraussetzung für eine Behandlung, in der Kinder nicht nur ihre Defizite oder Störungen überwinden, sondern ihre Potenziale entfalten können. Dabei kommt zu aller erst der Wiederherstellung der alltäglichen Handlungsfähigkeit große Bedeutung zu, um darauf zukunftsorientierte Lösungs- und Entwicklungsmodelle aufzubauen. In diesem Rahmen werden dann auch entwicklungshinderliche Symptome behandelt, sofern diese nicht schon durch das lösungsorientierte Vorgehen dekonstruiert werden, (vgl. De Shazer, 1998).
An Hand vieler praktischer Beispiele wird genauer beleuchtet, wie solch ein positiver, prospektiver Lösungsansatz entwickelt werden kann und dieser dann wiederum auch mit anderen Behandlungsansätzen verglichen.
Besondere Bedeutung wird in diesem Modul auch auf die Gruppenarbeit (z.B. Eltern-Kind-Gruppe, Jugendgruppe) für erfolgreiche Behandlung und gelingende Entwicklung gelegt (vgl. Yalom, 2019; Döpfner, Schürmann & Frölich, 2002; Petermann & Petermann, 2001, 2003) und eben diese Gruppenformen auch kurz vorgestellt.
Daneben gibt es in diesem Modul einen Überblick über die wesentlichen Störungsbilder im Kinder-, Jugend- und Familienpsychologischen Bereich, wobei die wesentlichen Klassifikationssysteme gegenübergestellt werden (ICD 10 und 11, DMS 4 und 5). Eingebracht und diskutiert wird hier wiederum (vgl. Diagnostikmodule) die Auffassung, dass Störungen inadäquate Lösungsversuche zur Erfüllung psychologischer Grundbedürfnisse (Zugehörigkeit, Autonomie, Erfolg; vgl. Deci & Ryan, 2013) sind.
Einsatz und Effizienz folgender Behandlungsmöglichkeiten werden vermittelt und für die jeweiligen Anwendungsbereiche kritisch hinterfragt:
• Spieltherapie, Zeichnen und Malen
• Achtsamkeits- und Genusstrainings
• Lösungsorientierte Ansätze (vgl. Steiner & Kim Berg, 2005; De Shazer, 1998)
• Positiv Psychologische und Prospektive Therapieansätze (vgl. Seligman & Peterson, 2004; Seligman, 2012; Seligman, Railton, Baumeister & Sripada, 2016; Rashid & Seligman, 2018; Streit, 2014)
• Provokative Therapie (vgl. Farrelly & Brandsma, 1986)
• Entspannungsverfahren
• Bio- und Neurofeedback
• Phantasiereisen, Märchen und Narrativ
• Tiergestützte Therapie
• u.v.m.

Stärkenbasierte, zukunftsorientierte Behandlung von Angst, Traumata, Zwang und Depression, Psychosomatosen und Essstörungen

Neben einer kritischen Würdigung von State of the Art Behandlungen in diesem Bereich, werden zwei Denkansätze praktisch vorgestellt:
Erstens, dass Ängste, Zwänge und Depressionen kein Ergebnis der Vergangenheit, sondern das Ergebnis negativer Zukunftsvorstellungen sind (vgl. Seligman, Railton, Baumeister, Sripada, 2016). Eine Diskussion über frühkindliche Ängste wird in diesem Rahmen geführt.
Zweitens werden bei der Behandlung von Traumata, neben klassischen Traumatherapeutischen Ansätzen, auch Ansätze der Positiven und Prospektiven Psychologie vorgestellt und der Ansatz des Posttraumatic Growth (vgl. Tedeshi & Calhoun, 2004) vermittelt.
Für die Behandlung von Essstörungen und kindlichen Psychosomatosen wird besonderer Wert auf den Zusammenhang dieser Störungsbilder mit der Entwicklung des Körperbildes und des Selbst gelegt. Aufgezeigt wird auch hier, welchen enormen Einfluss positive Interaktionen (Eltern-Kind, Umgebung-Kind) auf die Entwicklung einer gesunden Selbststeuerung haben, da ja gerade diese Störungen Ergebnisse mangelnder oder fehlgeleiteter Selbststeuerung sind.

Netzwerkarbeit im Spannungsfeld der Disziplinen

Dieses Modul ist ein Plädoyer für Zusammenarbeit über die eigenen Grenzen hinaus. Dargestellt werden die, für die Kinder- und Jugendarbeit wichtigen Bereiche, wie kinderärztliche Versorgung, Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie und allfällig werden VertreterInnen dieser Disziplinen eingeladen. Von besonderer Bedeutung ist die Kooperation mit Schule und Kindergarten und mit der Kinder- und Jugendhilfe und das nicht nur in Fällen der Kindeswohlgefährdung. Das Prinzip des um Unterstützungbittens und der UnterstützerInnen- und HelferInnenkonferenz wird praktisch dargestellt. Das Verhältnis zwischen Meldepflicht, Schweigepflicht und Kooperation wird beschrieben und diskutiert, ebenso wie Sozialräumliche und Case-Management Konzepte in der Netzwerksarbeit.

Zielgruppe
TeilnehmerInnen des 1. Durchgangs des Weiterbildungscurriculums Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie

Datum
9.11.2019, 10.11.2019, 25.11.2019, 26.11.2019

Anmeldung
per E-Mail unter akjf@akjf.at

Philip Streit ist Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut (SF) und Supervisor.

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